WISPER
Wissen anonym weitergeben
Motivation
Viel Wissen in Montage, Instandhaltung und Fertigung ist Erfahrungswissen. Es steckt in Handgriffen, in der Werkzeugführung und in situativen Entscheidungen erfahrener Mitarbeitender, und schriftliche Anleitungen erfassen es kaum. Videoaufzeichnungen realer Arbeitsprozesse können dieses implizite Wissen sichern und standort- und sprachübergreifend weitergeben. Das wird angesichts des demografischen Wandels und international verteilter Wertschöpfung immer wichtiger.
Solche Aufnahmen sind jedoch hochsensibel: Gesichter, Stimmen und sogar Bewegungsabläufe können Personen identifizierbar machen, und im Beschäftigungskontext gelten strenge datenschutzrechtliche Anforderungen. WISPER erzeugt deshalb aus realen Aufnahmen eine anonymisierte Wissenseinheit, den „Wissensgeist“.
Eine Anonymisierung ist allerdings nur so stark wie der Schutz der Rohdaten vor und während der Verarbeitung. Hier setzt das Institut für IT-Sicherheit der Universität zu Lübeck mit hardwarebasierten Sicherheitstechnologien an.
Ziele und Vorgehen
Das Teilvorhaben der Universität zu Lübeck soll die noch nicht anonymisierten Daten gegen lokale Angreifer schützen. Dazu wird die Anonymisierung hardwareunterstützt möglichst nah an der Aufzeichnung durchgeführt, sodass Rohdaten das Aufnahmegerät nicht unverfremdet verlassen. Die im Verbund entwickelten Anonymisierungsverfahren werden dabei prototypisch umgesetzt und hinsichtlich Performanz und Sicherheit bewertet. Ergänzend untersucht das Institut die Widerstandsfähigkeit der Verfahren gegenüber Re-Identifikation.
Innovationen und Perspektiven
TEEs sind bislang vor allem in Serverumgebungen etabliert. WISPER verlagert den Fokus in Richtung eingebetteter Systeme und IO-Geräte. Ziel ist eine vertrauenswürdige Basis auf jedem Aufnahmegerät, deren Integrität sich nachweisen lässt. Die Sicherheitsziele des Instituts ergänzen die Arbeiten der Verbundpartner: Während ZRD und DGIST untersuchen, was anonymisiert werden muss, stellt die UzL sicher, dass die Anonymisierung vertrauenswürdig und unbeeinflussbar abläuft. Erst beides zusammen ergibt einen umfassenden Schutz der Daten.
Internationaler Ort der Innovation
WISPER wird in der BMFTR-Fördermaßnahme „Internationale Orte der Innovation“ gefördert. Gemeinsam mit dem Saarbrücker Zentrum für Recht und Digitalisierung (ZRD), dem KIST Europe und dem Daegu Gyeongbuk Institute of Science and Technology (DGIST) in Südkorea entsteht an der Universität des Saarlandes ein Ort der Innovation. Dort sollen technische, rechtliche und psychologische Perspektiven auf datenschutzkonformen Wissenstransfer zusammengeführt werden. Der Ort soll den deutsch-koreanischen Forschungsaustausch über die Projektlaufzeit hinaus verstetigen
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